Letzte Aktualisierung: 08. Sept. 2010

:: MULTIMEDIA

CD - Produktion :: William Whitaker

:: Vorwort vom Künstler ::

Bild - William Whitaker Bis vor etwa einem Jahrhundert verlief die Entwicklung und Ausbildung im Bereich bildende Kunst geradlinig und nach bestimmten, logischen Richtlinien. Diese basierten auf Erfahrungen und dem Wissen der Vergangenheit; ganz ähnlich, wie sich auch auf anderen Gebieten das überlieferte Wissen erhalten hatte und auch weiter gepflegt wurde. Dann aber setzte eine heftige Gegen- bewegung ein und während es eine Menge herausfor- dernder und interessanter Neuerungen gab, entstand eine störende Strömung, die zur Ignoranz und der Abwertung des alten Wissens führen sollte, so dass der Begriff Kunst eine völlig neue Bedeutung bekam. Zu Beginn unseres Jahrhunderts hatte die Kunst des Zeichnens und Malens für einen großen Teil der Menschen aufgehört, ein wichtiger Bestandteil unserer visuellen Ausdrucksformen zu sein, da sie nach landläufiger Meinung von Kameras und Film verdrängt worden waren

Dies ist ein großer Fehler da alle Menschen schon immer ihre Gefühle gegenüber anderen mit Augen und Händen erklärten. Jedoch genauso wie die jungen Künstler der Viktorianischen Zeit bis ins 20.Jahrhundert damals ihre Eltern schockierten, haben wir auch heute eine große und wachsende Zahl junger Künstler, die sich gegen das Establishment wenden, um nun aber wieder traditionelle Kunst zu erlernen. Sie versuchen den Respekt für die Kunst wieder herzustellen, der über die Hälfte des letzten Jahrhunderts langsam verloren gegangen war, als die schönen Künste bagatellisiert wurden und viele Menschen sie als dumm betrachteten und - was das Schlimmste ist - als leicht von jedermann zu beherrschen. Wir lesen heute selten etwas über große und anerkannte Kunstausstellungen; es sei denn, irgendein Kommentator empfindet so etwas wie Freude daran, eine witzige Kolumne über eine Ausstellung zu schreiben, die von der Öffentlichkeit sowieso nur für einen Witz gehalten wird.

Irgendwie, vielleicht automatisch, wurde die Kontrolle über Erstellung und Weiterentwicklung der Kunst aus den Händen der Profis genommen und in die Hände von kreativen Künstlern gelegt. In der Tat sind die einzigen wirklichen Experten in der Kunstwelt die, die auch richtig sehen können. Ein guter Test für das richtige Sehen ist die Überprüfung der Fähigkeit, ob jemand eine perfekte Zeichnung von jedwedem Gegenstand, der ihm vorgelegt wird, anfertigen kann. Wenn man etwas nicht genau zeichnet liegt es daran, dass der Zeichner nicht gut genug beobachten kann

Richtiges Sehen ist eine sehr herausfordernde und schwierige Kunst. Es sollte eigentlich die Grundlage für jeden bilden, der als visueller Experte gelten möchte; ob dies nun ein Maler, Filmemacher, ein Fotograf oder auch ein Kritiker ist. Wenn heutige Studenten ernsthaft die Herausforderung des genauen Zeichnens meisterten und dadurch visuelle Experten würden, könnten wir auch viel bessere fotografische Werke, grafische Designs, Architektur und Kunst aller Art finden. Ein potentielles, junges, visuelles Genie, das diese Fähigkeiten genauso beherrscht wie ein Medizinstudent seine Medizin, würde sein Potential derart steigern, dass wir erstaunliche, neue Dinge an ihm entdecken würden

Genau zu zeichnen ist keine Kunst aber ein Segen für den Künstler

Ich denke es ist schwierig und ermüdend, am Computerbildschirm lange Texte lesen zu müssen und habe deshalb dies hier eher wie ein Bilderbuch angelegt. Etwa verbal so anspruchsvoll wie ein Kinderbuch. Künstler lieben es ja, Bilder zu sehen und die meisten von Ihnen werden schon an den Bildern allein sehen können, was ich tue.

Ich bin nun seit vier Jahrzehnten ein professioneller Künstler, zeichne und male fast jeden Tag. Trotzdem habe ich bei der Zeichnung für dieses Buch eine große Anzahl von Fehlern gemacht. Je mehr ich arbeite, desto mehr habe ich dabei zu lernen. Jedoch mein ständiger Rückgriff auf das Grundwissen zahlt sich aus und ich bekomme dadurch dauernd mehr Kontrolle über meine persönliche Ausdrucksweise.

Bitte verstehen Sie, dass diese zweidimensionale Kopierübung nur ein grundlegender erster Schritt ist. Sie müssen danach reale Formen kopieren bis Ihre Zeichnungen Perfektion erreichen; solange bis Sie die Magie der perfekten Reproduktion beherrschen, ein dreidimensionales Objekt auf einer zweidimensionalen Ebene, einem Stück Papier, abzubilden.

Sie werden sich dann im Einprägen von Formen weiter entwickeln müssen, sodass Sie wunderbar und genau Menschen und Tiere sowohl aus dem Gedächtnis als auch vom lebenden Modell zeichnen können.

Dann ziehen Sie ein in das Universum der Selbstdarstellung wo Sie Formen interpretieren, so dass Ihre Zeichnungen (oder Bilder) noch realistischer aussehen, als die Realität selbst.

Danach, wenn Sie das Glück haben etwas visuell aussagen zu können, mögen Sie ein Künstler geworden sein.

Schließlich , um frisch zu bleiben und dauernd weiter zu wachsen, wiederholen Sie den gesamten Prozess.

Bis in alle Ewigkeit

William Whitaker